Zu Ostern 2007 hat die Sammlerin einige Vitrinen zusammengestellt, die den „Passionskindern“ gewidmet sind.
"PASSIONSKINDER"
von Michele Dolz
Die Anspielung auf die künftige Passion und den Kreuzestod ist in vielen Darstellungen von Christi Geburt zu finden, ebenso wie in weihnachtlichen Volksliedern, besonders spanischen und lateinamerikanischen Ursprungs.
Die große Kunst hat zu diesem Thema wunderbare Werke hervorgebracht, wie die Madonna von Giovanni Bellini, wo das Gotteskind sich auf sein künftiges Grab stützt. In anderen Werken blicken sowohl Maria als auch das Jesuskind verloren und ernst in eine Zukunft des Leidens, aber auch der Rettung.
In den malerischen und bildhauerischen Darstellungen zur Anbetung des Jesuskinds besteht eine ganze ikonographische Strömung, die im späten 15. Jahrhundert entstand, nämlich die sogenannten
"Passionskinder“. Sie stellen ein Kind im Alter von wenigen Jahren dar, das einige Symbole des Leidens Christi trägt, wie beispielsweise das Kreuz oder Nägel. Manchmal trägt es eine Dornenkrone um die Stirn und der Gesichtsausdruck ist im Allgemeinen voller Schmerz, die Augen flehend gen Himmel gerichtet.
Eine Variante dazu sind die
“Schlafenden Passionskinder”, die das Jesuskind schlafend darstellen, häufig auf einem Totenkopf und einem Kreuz oder mit anderen Instrumenten der Passion. Sie scheinen die Worte des heiligen
Sant' Alfonso Maria de Liguori herauf zu beschwören: “so schlief denn das Heilige Kind, doch während es schlief, dachte es an all den Schmerz, den es aus Liebe zu uns im Leben und im Tod würde erleiden müssen (…)
Es dachte besonders an die Geiseln, an die Dornen, an die Schande, an die Todesangst, und an den trostlosen Tod, den es schließlich auf dem Kreuz erleiden würde, und all dies, während es schlief. Jesus opferte dem Ewigen Vater, um für uns das Vergeben und das Leben zu erflehen (Novene der Heiligen Weihnacht 33).
In anderen Fällen ist das Kind wach und vermittelt ein Gefühl von Besorgnis.
In der
Sammlung der Descalzas Reales in Madrid ist ein besonderes Exemplar dieser Serie verwahrt, das das Gotteskind stehen zeigt, mit dem Ellbogen auf einem Richtblock, um den sich eine Schlange windet, das Symbol der Sünde, während ein Fuß auf einer großen Kugel liegt und eine Hand einen kleineren Globus hält. Der Blick verliert sich Leeren, in konzentrierter Meditation.
Die Ikonographie dieser Jesuskinder hat sich zum guten Teil aus den traürnden Putten der antiken Kunst entwickelt. Im antiquarischen Eifer des Anfangs des 16. Jahrhunderts schnitzte
Agostino Busti, genannt „ il Bambaia” , mehrere davon. Die beiden Schönsten finden sich in der
Sammlung Borromeo und stellen ein trauriges Kind dar, das sich auf einen Totenkopf stützt und die Fackel auf der Erde löscht.
Desiderio da Settiniano hat dagegen sind seiner wahrhaft einzigartigen Herstellung von Jesuskindern mehrmals das Gotteskind mit der Dornenkrone in der Hand dargestellt.